Donnerstag, 3. August 2017

Transalp 2017 - Tag3: Obertilliach - Tilliacher Joch - Strada delle Malghe - Rif. Sorgenti del Piave - Forni Avoltri - Rif. Marinelli - Plöckenpass - Kötschach

Nach einem guten Frühstück vom Buffet im Wastingerhof starte ich um 8.30h in Obertilliach los. Leider sind meine Sachen überhaupt nicht trocken geworden, sodass ich mich entscheiden muss: Radlerhose von Tag 1, mit der ich mit etwas aufgescheuert habe oder nasse Hose vom Vortag. Ich wähle die nasse Hose vom Vortag, was vielleicht nicht wirklich die beste Entscheidung sein sollte. Anfangs rolle ich die Wiesen, die ich vom Langlaufen im Winter sehr gut kenne, hinunter zur Gail und überquere dort über den Bach auf den Weg hinauf zur Porzehütte. Ich habe leider etwas Probleme mit dem Magen und meinem Hintern, sodass ich einmal stehen bleiben muss, um einen Boxenstopp einzulegen, bei dem ich auch noch einmal meinen Hinterteil ordentlich mit Salbe einschmiere. So muss ich ein kurzes Stück schieben, bis ich wieder gut sitzen kann - dann geht es los, rauf zur Hütte. Bald einmal überholen mich zwei (eigentlich auch recht langsam radlende) Damen - ich merke aber, dass ich noch etwas brauche bis ich 'rund' laufe, also lasse ich sie einfach vorbeiziehen.





Die Auffahrt ist wirklich schön - nie unangenehm steil und immer gut fahrbar. Mich nerven etwas die Autos, die an mir vorbei den Berg rauftuckern - der Ärger ist aber bald wieder weg als ich beim Klapfsee ankomme, wo dann für die Autos Endstation ist, ich aber mit dem Rad gut weiterfahren kann.





In ein paar Kehren zieht sich der Weg hinauf zur Porzehütte - alles gut fahrbar und langsam aber doch komme ich auch ganz gut voran. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es von Meter zu Meter besser läuft - möchte mich aber auch nicht von anderen Bikern oder Wanderen stressen lassen.. Ich habe ja auch heute wieder einiges vor mir.



Auf der schönen Porzehütte, wo es eine wirklich nette Bedienung gibt und tolle Speisen und Getränke, kann ich - wie schon beim letzten Mal - leider nicht länger verweilen. So wird es nur eine kurze Pause mit ein paar Getränken und schon geht es weiter hinauf zum Tilliacher Joch. Dafür muss man ein paar Meter den Weg zurück hinunterrollen, dort wird man dann mit einem bis auf die letzten Meter durchgehend gut fahrbaren Weg belohnt.




Ich überhole 2 pausierende Biker, die sich dann wieder bis zum Joch etwas näher an mich herankämpfen. Nach der Überquerung habe ich sie aber nicht mehr gesehen - entweder haben sie eine längere Pause eingelegt oder sie haben wieder umgedreht, was ja irgendwie komisch wäre...





Vor lauter Euphorie über den ersten 'Höhepunkt' des heutigen Tages, schaue ich nicht auf meine Handy-Navigation und wähle einen kleinen Trampelpfad, der auf der anderen Seite direkt hinunter führt. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen - ich war ja schon einmal mit dem Rad da. So trage/schiebe ich mein Rad ca. 50Hm hinunter, bis ich endlich auf den richtigen Weg hinunter in Richtung Malga Dignas treffe.




Der Weg sieht zwar sehr schön aus, ist aber durchaus etwas ruppig zu fahren, weil immer wieder größere Steine quer über den ganzen Weg verlegt sind. Kein wirkliches Problem, aber auch kein genüssliches Runterrollen.



Auf halbem Weg hinunter zur Malga biege ich links ab in die Strada delle Malghe, die gleich einmal zünftig steil hinauf zur Malga Campobon führt. Der Weg ist sehr gut zu fahren und unter normalen Umständen wäre ich da auch alles raufgeradelt. Ich spüre aber schon etwas die Anstrengungen der letzten Tag und meinen schweren Rucksack. Mein Hintern war über die kurzen Schiebepassagen auch immer wieder froh ;-)








Malga Campobon






Landschaftlich ist diese für mich neue Variante auf der Strada delle Malghe unglaublich schön. Linkerhand blickt man hinauf in die Karnischen Alpen und rechterhand hat man die schönsten Dolomitengipfel vor sich aufgefädelt. Auf dem Weg zur nächsten Malga (Malga Cecido) überhole ich einen älteren Italiener, der mit einem richtigen 'Oldschool'-MTB unterwegs ist. Er wirkt schon etwas erschöpft, radelt aber recht flott dahin. Als ich die Fotos unten (mein MTB mit den Dolomiten im Hintergrund) mache, rollt er vorbei und wir kommen kurz ins Gespräch. Er fragt mich, ob es ab jetzt nur mehr bergab geht. Ich sage ihm, dass es laut meiner Karte eigentlich immer bergauf, bergab geht, was er irgendwie nicht wirklich glauben will. Er meint, dass hier jetzt bald der Singeltrail losgehen muss - was ich nicht ganz verstehe, weil hier weit und breit kein Singletrail in Sicht ist und es icher noch ein paar Höhenmeter raufgehen wird. Ich lasse ihn vorbeifahren, weil ich noch ein paar Fotos mache und hole ihn erste wieder nach der langen Abfahrt, bei der nächsten Steigung ein. Ab dort habe ich ihn nicht mehr gesehen, muss aber immer wieder an ihn denken (eigentlich bei jeder Steigung und das waren einige...).











Den Großteil der Strada delle Malghe bin ich geradelt, nur ein paar Mal ist es doch zu steil geworden, sodass ich nach kurzem Kampf dann doch ab und zu mein Bike geschoben habe. Belohnt wird man aber mit den unglaublichen Ausblicken auf die faszinierende Bergwelt hier!



Malga Chiastellin
An der Malga Chiastellin ist man dann versucht rechts abzubiegen und den breiten Weg runter ins Tal zu rollen. Richtig ist aber der fast nicht erkennbare kleine Weg links am Haus vorbei. Hier beginnt jetzt (nach etlichen Höhenmetern - für meinen italienischen Freund...) der Singletrail. Ich weiß, dass es jetzt leider in das Tal relativ weit runter geht und ich die Höhenmeter auf der anderen Seite zum Rifugio Sorgenti del Piave wieder rauf muss. Trotzdem freue ich mich auf die schöne Singletrail-Abfahrt. Das war aber leider zu früh gefreut, nach einer kurzen Abfahrt darf ich mein Rad gleich wieder nach oben wuchten, teils fahrend teils schiebend. Erst nach einigen weiteren absolvierten Höhenmetern geht es dann hinunter zur Malga Antola.
 


Blick auf den Monte Peralba (Hochweißstein) und das Tal das noch zu durchqueren ist.




Von der Malga Chivion weg kenne ich den Weg ja schon von unserer ersten Transalp 2009. Damals war es auch noch gewittrig. Laut Karte müsste man hier noch einige Meter weiter, bevor der Weg rechts runter geht. Ich habe das auch probiert, aber da gibt es nirgends einen Weg, man muss also dem kleinen Schild und dem nicht erkennbaren Weg über die Wiese folgen. Dort schaut es so so aus als ob 1 Wanderer zufällig ein paar Grashalme umgetrampelt hat und nicht wie ein Weg. Den Weg findet man am Waldrand, ab dort geht es sehr sehr steil im Wald runter bis zur kleinen Brücke, die über den Bach führt.







Der Weg im Tal ist - wie schon das letzte Mal - ziemlich verwachsen, fast ein bisschen verfallen. Kaum bin ich bei der ersten der 14 Kehren hinauf zum Rifugio angekommen, kommen mir 2 italienische Biker entgegen, die mit Transalp-Ausstattung dafür mit ihren Helmen am Lenker den Weg verwegen runterdüsen. Ich freue mich, dass ich hier nicht alleine bin und wundere mich wirklich, wie man auf diesem teilweise nicht ganz harmlosen Weg den Helm am Lenker lassen kann.




Relativ schnell komme ich auf dem beeindruckenden Hochplateau mit dem Rifugio an. Etliche Bergsteiger, leider aber auch unzählige Auto-Touristen nehmen hier eine Jause ein. Ich entscheide mich für eine Gemüsesuppe, ein Cola und einen Radler (in Gedenken an unsere erste Transalp). 


Alles bestens - auch die Bedienung war sehr nett - aber wie man einem offensichtlich durstigem Alpencrosser einen 0,2l Radler hinstellen kann ist mir ein Rätsel. In Österreich würde man für so was belächelt oder vielleicht sogar beschimpft, in Bayern würde man wahrscheinlich als Kellner eine ausfassen...







Die Hütte ist sensationell gelegen - gerne würde man hier länger bleiben - mich zieht es aber weiter, damit ich schon an diesem Abend bei Andi in Kötschach sein kann. Nach dem Essen und mit aufgefüllten Wasservorräten geht es weiter. Bald biege ich von der Asphaltstraße links ab auf den Weg zum Avanza di la di Sotto und Pierabech. Bei der ersten Alm tummeln sich hunderte Ziegen, die mich interessiert beobachten, ab dort bin ich dann bis hinunter nach Forni Avoltri komplett alleine. Die Straße ist teilweise sehr unangenehm zu fahren, weil wie bei einer Römerstraße viele normale Steine als Belag zusammengefügt wurden. Es rattert ordentlich, man muss sich sehr konzentrieren und ohne Federgabel wäre es ein Ding der Unmöglichkeit hier normal runterzufahren.





In Forni Avoltri haut mich die Hitze dann fast vom Rad - es geht auf der Asphaltstraße etwas steiler los, es ist aber so heiß, dass es fast unerträglich zu fahren ist. Ich muss ein paar Mal stehen bleiben und mir Wasser über den Kopf giessen, weil es auf dem Asphalt so richtig brütend heiß ist.


Es wird dann aber deutlich flacher und der leichte Gegenwind ist eine willkommene Abkühlung. So geht es dann relativ angenehm und auch wieder recht flott hinein ins Tal in Richtung Rifugio Marinelli. Ich habe ständig die Uhr im Blick, weil ich bis spätestens 19.30 am Rifugio sein sollte, damit ich noch heute nach Kötschach komme. Einmal glaube ich, dass ich es leicht schaffe, einmal glaube ich, es wird sich nicht ausgehen...




Die Auffahrt durch dieses Tal ist jedenfalls, obwohl auf der Asphaltstraße - wunderschön, ein Bergsteigerdorf reiht sich ans nächste - einfach schön. Erst das letzte Stück von Collina rauf zum Rifugio Tollazi wird dann steil und die letzten paar Meter werden dann so richtig steil - heiß ist es sowieso immer. Also noch einmal eine Getränkepause zum Aufladen der Speicher, kurz im Schatten abkühlen und dann weiter rauf zum Marinelli.












Die Auffahrt zum Marinelli ist eigentlich gut fahrbar, anfangs manchmal typisch italienischer Beton, meistens Schotter. Ich bin aber - nicht nur hitzebedingt - ziemlich fertig und schiebe mehr als ich fahre. Wenn das eine Eintagestour ist, mit einem etwas leichterem Rucksack, würde ich da wahrscheinlich alles rauftreten. Ich bin aber ziemlich fertig und auch mein Hintern tut schon ordentlich weh, sodass ich mehr schiebe als eigentlich notwendig. Es wird schon finster, es ziehen auch ein paar dunklere Wolken auf - trotzdem schaffe ich es noch halbwegs rechtzeitig beim Rifugio Marinelli einzutreffen. Ich ziehe mir meine Regenjacke und die dickere Hose drüber, mache noch schnell ein paar Fotos von der faszinierenden Almlandschaft unterhalb des Marinellis und düse los. Ich fahre von der Hütte weg alles, was mich dann doch etwas freut, weil ich das letzte Mal hier anfangs ein paar Meter geschoben habe.






Ewig rollt man auf teils groben Schotter, meist aber recht angenehm runter, dass die Bremsen so richtig zum Glühen kommen. Ich habe mir fix vorgenommen dieses Mal die Abzweigung zum Römerweg rüber zum Plöckenpass nicht zu verpassen, weil ich nicht mehr den Plöckenpass raufradeln will. Ich freue mich auch, dass ich die Abzweigung sofort finde und radle den ersten Teil eines schönen Singletrails runter. Doch bald die Ernüchterung - ich muss mein Rad schieben und dann auch noch einen engen Steig hinauftragen. Es ist im Wald mittlerweile fast stockfinster und ich fühle mich hier so ganz alleine nicht wirklich wohl. Fast 100 Höhenmeter geht es in teils anstrengendem teils angenehmen Terrain wieder hinauf, bis ich dann endlich auf einen breiteren Weg und dann bald zum Plöckenpass komme. Ich telefoniere noch kurz mit Andi, dass ich heute noch komme, dann montiere ich noch eine extra Leuchte auf mein Rad und rase bei schon ziemlich dunklen Verhältnissen runter nach Kötschach. Die 2 Gegenanstiege nerven mich einigermaßen, trotzdem komme ich noch bei Tageslicht mit einem sehr, sehr breitem Grinsen in Kötschach an. 78km, knapp 2800 Höhenmeter und einen ordentlich aufgeriebenen, roten Hintern, weil ich die nasse Radhose angezogen habe, habe ich heute hinter mir, dafür bin ich superhappy über so eine geniale Tour. Wir gehen dann noch sehr gut im Erlenhof essen , schlafen werde ich heute nicht viel, weil ich von innen heraus glühe und immer wenn ich dann doch eingeschlafen wäre, haben mich die 4 Männer, die noch länger im Gasthaus sitzen geblieben sind wieder aufgeweckt. Auch als ich um 2 in der Früh meinen roten Hintern sehe, den ich dann noch fotografiert habe, kann mich der Schreck nicht wirklich erschüttern - diese Tour war absolut genial!!!!




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